Von entscheidender Bedeutung für den Gesamtausstoß der bayerischen Brauwirtschaft ist die demographische Entwicklung (schrumpfende Bevölkerung, steigender Anteil älterer Mitbürger, wachsender Anteil von Zuwanderern - auch aus anderen Teilen Deutschlands! - deren Bieraffinität hinter der bayerischen zurückbleibt), die ein aus Sicht der Brauwirtschaft nachteiliges Zusammenspiel von sinkender Konsumentenzahl einerseits und sinkendem Pro-Kopf-Konsum andererseits mit sich bringt.
Der Bier-Pro-Kopf-Konsum liegt heute deutschlandweit auf dem Niveau der 50er-Jahre.
Hinweis zur Methodik der Statistik:
Wichtig ist an dieser Stelle ein Hinweis auf eine rückwirkend seit 2015 geänderte statistische Erfassung.
Nachdem aufgrund des großen Biersteuergefälles zwischen Deutschland und Dänemark viele Dänen nach Deutschland exportiertes dänisches Bier hier zurückkaufen und steuerfrei im Kofferraum wieder in ihr Heimatland zurückfahren, haben die Autoren dieser Statistik, Michael Breitenacher und der Deutsche Brauer-Bund, sich darauf verständigt, den Bierimport aus Dänemark aus der Statistik vollumfänglich herauszurechnen.
Dieses Vorgehen kann sicher nur eine Näherungslösung liefern, ist aber in Anbetracht weiterer Unschärfen (in den deutschen Pro-Kopf-Konsum eingerechneter Inlandskonsum ausländischer Gäste, Konsum deutscher Touristen im Ausland, …) als akzeptabel anzusehen.
BIER-PRO-KOPF-KONSUM DEUTSCHLAND SEIT 1960->DOWNLOAD GRAPHIK
Mit 88 Litern Bierkonsum pro Kopf der Bevölkerung entfernt dieser sich auch 2024 immer weiter von der 100-Liter-Marke. Diese Entwicklung war in den Jahren 2020 und 2021 zu Teilen dem Einfluss der Corona-Pandemie, lange Zeit geschlossener Gastronomie und ausgefallenen Volksfesten geschuldet, aber eben nicht nur.
Ein bereits seit Mitte der 70er-Jahre anhaltender Trend hat sich durch die Corona-Pandemie nur noch einmal verstärkt.
Mitte der 70er-Jahre erreichte der deutsche Bierkonsum seinen Nachkriegshöhepunkt mit 151 Litern pro Kopf und Jahr. Seither ist er also um 42 % gesunken.
Wenn der PKV von 2010 auf 2011 leicht angestiegen zu sein scheint, dann ist dies nicht deutlich gewandelten Konsumgewohnheiten geschuldet, sondern nur den Ergebnissen der Volkszählung 2011: Die nämlich hat einen deutlich geringeren Bevölkerungsstand (- 1,5 Mio.) ergeben als zuvor angenommen mit der rechnerischen Folge eines höheren PKV. Der wird auch bereits für die Vorjahre demnach als etwas zu niedrig angesetzt angenommen werden müssen. Er wird allerdings rückwirkend nicht mehr korrigiert.
Auch die Volkszählung 2022 hat einen niedrigeren Bevölkerungsstand als zuvor fortgeschrieben ergeben, so dass auch der Wert für 2022 (urspr. 88 l PKV) auf 89,3 l korrigiert wurde.
BIER-PRO-KOPF-KONSUM DEUTSCHLAND SEIT 1976->DOWNLOAD GRAPHIK
Noch zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung (1990) betrug der durchschnittlich Pro-Kopf-Konsum in Gesamtdeutschland 142,7 Liter. Er ist allein seither also um 54,7 Liter oder 38,3 % gefallen.
Bezüglich der PKV-Erhöhung von 2010 auf 2011 sowie der geänderten statistischen Erfassung seit 2015 wird auf die Kommentare zu den vorhergehenden Charts verwiesen (Effekt der Volkszählung 2011; dänische Reimporte).
Den gleichen Effekt erleben wir für die Jahre 2022 und 2023, denn auch hier hat die jüngste Volkszählung (Zensus 2022) ergeben, dass die Fortschreibung der Bevölkerungsentwicklung zu einer um 1,4 Mio. Menschen höheren Bevölkerungszahl führte, als sich bei genauerer Nachzählung ergab.
Die hier ausgewiesenen Werte wurden entsprechend korrigiert.
Oft werden wir gefragt, wie hoch denn der Bier-Pro-Kopf-Konsum in Bayern sei - eine mit letzter Sicherheit nicht zu beantwortende Frage, da - im Gegensatz zu den Bundesgrenzen - an der bayerischen Landesgrenze die Aus- und Einfuhr von Bier nicht erfasst werden.
Aufgrund seriöser Schätzungen und unter Zugrundelegung der Erkenntnisse der Marktforschung gehen wir jedoch davon aus, dass der Bier-Konsum in Bayern sich auf etwa 105 - 110 Liter belaufen dürfte.
BIER-PRO-KOPF-KONSUM DEUTSCHLAND SEIT 1990->DOWNLOAD GRAPHIK
Ein Grund für den Absatzrückgang der deutschen Brauwirtschaft ist natürlich in der demographischen Entwicklung in Deutschland zu suchen. Der eigentlich typische Bevölkerungsaufbau in Pyramidenform mit „Dellen“, die ihren Ursprung in Geburtenrückgängen während der Kriegs- und ersten Nachkriegsjahre haben, hat sich mit Einführung der „Pille“, aber auch steigendem Wohlstand gewandelt. Seit 1964 sink die Zahl der Geburten. Schwächster bislang erfasster Jahrgang ist mit rund 673.000 Geburten 2024. In diesem Jahr wurden 677.600 Kinder weniger geboren als im Babyboom 1964 – ein Minus von über 50 %!
Da die Menschen erst mit ca. 20 Jahren beginnen, in nennenswertem Umfang Bier zu trinken, wissen wir heute bereits, dass wir in den kommenden 20 Jahren in der wichtigen Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen weitere ca. 4,7 Mio. Konsumenten verlieren werden, in der Gruppe der 20- bis 60-Jährigen sind es sogar 6,7 Mio. Konsumenten, die der Brauwirtschaft fehlen werden.
Selbst unter der (unrealistischen) Annahme, dass der Pro-Kopf-Konsum sich wieder stabilisiert, verliert die Brauwirtschaft allein demographiebedingt jedes Jahr ca. 0,5 % ihres Inlandsabsatzes.
Verluste durch das Geburtendefizit sind durch Zuwanderung auch nicht auszugleichen, da die zuwandernde Bevölkerung in der Regel eine weit geringere Bieraffinität besitzt, als sie in der einheimischen Wohnbevölkerung traditionell gegeben ist.
BEVÖLKERUNGSSTRUKTUR DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND->DOWNLOAD