9. Exportentwicklung


Wirft man einen Blick auf die Exportentwicklung der deutschen und bayerischen Brauwirtschaft, so zeigt sich, welch herausragende Bedeutung der Absatz im Ausland für die Brauwirtschaft besitzt.

Der gesamte deutsche Bierexport  konnte seit der krisenbedingten Abnahme um 0,7 Prozentpunkte in 2009 zunächst wieder kontinuierlich zulegen. In 2013 hat er einen leichten Rückschlag hinnehmen müssen, der aber allein auf dem Ersatz zuvor exportierter Mengen durch die Produktion im bisherigen Zielland einer einzigen Brauerei beruht, was insofern das Gesamtbild etwas verzerrte.

Seither beträgt die deutsche Bierexport-Quote gute 17%.

In 2019 nahm der bayerische Bierexport in absoluten Hektolitern spürbar um knapp 196.500 hl oder 3,4% ab. Die Exportquote beträgt unverändert zum Vorjahr 23,3 %.

Auch hier ist der Export alkoholfreien Bieres nicht berücksichtigt, da hierüber statistische Daten nicht vorliegen.

Die Exportquote des bayerischen Braugewerbes liegt deutlich (6,0 Prozentpunkte) über der der Bundesrepublik insgesamt.

ENTWICKLUNG DES EXPORTANTEILS AM GESAMTBIERABSATZ BAYERN UND DEUTSCHLAND IN PROZENT ->DOWNLOAD GRAPHIK

In absoluten Zahlen: Mit rund 5,55 Mio. hl hat der bayerische Bierexport das Rekordergebnissen des Vorjahres nicht ganz halten können. Der Export bayerischen Bieres sank um 196.500 hl oder 3,4%.

Etwa 60% davon werden in Länder der EU geliefert, die verbleibenden ca. 40% gehen in Drittstaaten.

Während der Export in diese Drittstaaten mit einem Plus von rund 3,9%  abschloss (gesamt jetzt 2.215.533 hl) , sanken die Lieferungen in andere EU-Länder deutlich  um  280.218 hl auf  3,33 Mio. hl.

Insgesamt ist Bayern das Bundesland mit dem mit Abstand höchsten Bierexport.

ENTWICKLUNG DER EXPORTQUOTE IN % UND DES EXPORTVOLUMENS IN THL BAYERN SEIT 1998 ->DOWNLOAD GRAPHIK

Die Gegenüberstellung der Exportanteile am Gesamtabsatz einerseits der bayerischen Brauwirtschaft und andererseits der um die bayerischen Werte bereinigten deutschen Brauwirtschaft (also Deutschland ohne Bayern) macht deutlich, welche Fortschritte der bayerische Bierexport im Vergleich zu den übrigen Bundesländern in den zurückliegenden Jahren hat erreichen können.

Der Vorsprung Bayerns beträgt in 2019 8,1 Prozentpunkte.

ENTWICKLUNG DES EXPORTANTEILS AM GESAMTBIERABSATZ BAYERN UND DEUTSCHLAND OHNE BAYERN IN PROZENT->DOWNLOAD GRAPHIK

Stellt man die Entwicklung des Gesamt- und des steuerpflichtigen Bierabsatzes  für Deutschland insgesamt gegenüber, dann fällt auf, dass zwar beides rückläufig ist, die Trendlinie des Gesamtabsatzes jedoch etwas flacher verläuft als die des steuerpflichtigen Absatzes: deutschlandweit vermag der Export zumindest einen Teil der Binnenverluste zu kompensieren.

GESAMT- UND STEUERPFLICHTIGER BIERABSATZ DEUTSCHLAND – GEGENÜBERSTELLUNG DER ENTWICKLUNG IN HL SEIT 1993->DOWNLOAD GRAPHIK

Völlig anders stellt sich die Situation in Bayern dar: zwar ist auch hier der Binnen-, also steuerpflichtige Bierabsatz rückläufig, wenngleich er sich in den letzten Jahren etwas stabilisiert hat, die großen Exporterfolge führen jedoch dazu, dass der Zuwachs an Exporthektolitern den Verlust an Binnenhektolitern zu kompensieren vermag: Die Trendlinie des Gesamtabsatzes verläuft annähernd waagerecht.

Und die positive Entwicklung alkoholfreien Bieres und alkoholfreier Biermischgetränke  der letzten Jahre ist hierbei noch gar nicht berücksichtigt.

GESAMT- UND STEUERPFLICHTIGER BIERABSATZ BAYERN – GEGENÜBERSTELLUNG DER ENTWICKLUNG IN HL SEIT 1995->DOWNLOAD GRAPHIK

Nach der Wiedervereinigung war der Anteil Bayerns am deutschen Gesamtbierabsatz zunächst kontinuierlich gesunken. Betrug er 1991 noch gut ein Viertel, so sank er bis zum Jahr 2000 auf noch 20%.

Seitdem steigt er kontinuierlich wieder an und liegt 2019 mit 25,8% sogar oberhalb des Niveaus der frühen 90er Jahre.

Zu begründen ist dies mit dem überdurchschnittlichen Exporterfolg Bayerns: 18% des aus Deutschland exportierten Bieres stammten 1991 aus Bayern. Im Jahr 2019 waren es fast 34,7%.

Dies bedeutet: Mehr als jedes dritte aus Deutschland exportierte Bier stammt aus einem bayerischen Sudkessel

ENTWICKLUNG DES ANTEILS BAYERNS AM DT. GESAMTBIERABSATZ UND EXPORT IN PROZENT->DOWNLOAD GRAPHIK

Bei einer getrennten Betrachtung Nord- und Südbayerns  sehen wir eine sehr unterschiedliche Entwicklung der beiden Landesteile:

Der südbayerische Gesamtabsatz fällt um 2,99%, während Nordbayern ein Minus von sogar 4,9% verkraften muss (einmal mehr ohne alkoholfreies Bier und Malztrunk).

Beim steuerpflichtigen Bierabsatz sieht es ähnlich aus: Hier verliert Nordbayern sogar 6,45%, wohingegen Südbayern deutlich geringer um 2,1% verliert.

Dieses Ergebnis kann auch durch die Exporterfolge Nordbayerns nicht ausgeglichen werden: Die nordbayerischen Exporte in Drittländer steigen zwar um 16,25% und gleichen damit dien Exportverluste in die EU i.H.v.

– 4,37% sogar aus. Jedoch ist die Basis einfach zu gering.

Südbayerns Exporte in die EU sinken um 8,13%, in Drittländer um 0,53%.

An der Vormachtstellung bzgl. des bayerischen Bierexports, die Südbayern einnimmt, kann der Exporterfolg Nordbayerns in 2019 nichts ändern.

VERÄNDERUNG GESAMT- UND STEUERPFLICHTIGER BIERABSATZ NORD- UND SÜDBAYERN 2019 ZU 2018 IN PROZENT->DOWNLOAD GRAPHIK

Der nordbayerische Export bewegt sich damit weiterhin insgesamt auf deutlich niedrigerem Niveau, denn der Export ist eindeutig eine Domäne der in Südbayern ansässigen Brauereien.

Insgesamt ist die südbayerische Brauwirtschaft stärker aufgestellt als die nordbayerische, obwohl in Nordbayern rund  60% aller bayerischen Brauereien ansässig sind.

VERTEILUNG GESAMT- UND STEUERPFLICHTIGER BIERABSATZ 2019 IN BAYERN AUF NORD- UND SÜDBAYERN IN PROZENT->DOWNLOAD GRAPHIK

Der deutsche Biermarkt hat seit der Neuordnung der Biersteuerstatistik 1993  29,07 Mio. hl Binnenabsatzvolumen verloren.

2,7 Mio. hl  Zuwachs haben in dieser Zeit die neuen Bundesländer zu verzeichnen gehabt ( inkl. Berlin, denn nachdem Berlin und Brandenburg gemeinsam erfasst werden, ist eine Trennung in die Entwicklung Berlin West (alt) und Berlin Ost und Brandenburg (neu) nicht möglich).

Um 31,8 Mio. hl ist das Absatzvolumen in den alten Ländern demzufolge in diesen Jahren gesunken – ein gutes Drittel des ursprünglichen Volumens!

VERÄNDERUNG STEUERPFLICHTIGER BIERABSATZ DEUTSCHLAND NACH LÄNDERN SEIT 1993 IN HEKTOLITERN ->DOWNLOAD GRAPHIK

Die Verschiebungen von Absatzmengen aus den alten in die „neuen“ Bundesländer haben auch zur Folge, dass Bayern seit 1993 insgesamt 27,03% seines Binnenabsatzvolumens eingebüßt hat gegenüber einem Rückgang des Binnenabsatzes in Deutschland insgesamt von 27,6%.

Bei der Deutung dieser Statistik ist zu berücksichtigen, dass aus EU-Ländern importiertes Bier steuerpflichtig ist und in diese Statistik eingeht, und zwar in demjenigen Bundesland, indem die Versteuerung erfolgt.

Die „alten“ Bundesländer haben in dieser Zeit in der Summe ein gutes Drittel ihres ursprünglichen Binnenabsatzes eingebüßt, allein Hessen rund 65% und Baden-Württemberg knapp die Hälfte.

VERÄNDERUNG STEUERPFLICHTIGER BIERABSATZ DEUTSCHLAND NACH LÄNDERN SEIT 1993 IN PROZENT ->DOWNLOAD GRAPHIK

 

 

Die größten Bier produzierenden Länder

Deutschland verteidigt 2017 seinen 5. Rang unter den biererzeugenden Nationen der Welt.

Nur 2 Länder produzieren mehr als 200 Mio. hl Bier, zwei weitere über 100 Mio. hl pro Jahr. Es folgt Deutschland mit gut 90  Mio. Hektoliter  Jahresausstoß.

Es folgen mit Russland und Japan nur weitere 2 Länder mit mehr als 50 Mio. hl. Auf der ganzen Welt gibt es dann noch 15 weitere Länder, die  20 Mio. hl Bier und mehr produzieren und das ist bereits die Größenordnung, in der sich auch der bayerische Ausstoß bewegt: Bayern läge im Ranking zwischen Nigeria und den Niederlanden auf Platz 14 der bierproduzierenden Länder der Welt …

Die oben aufgeführten Länder vereinen 79,2% des Weltbierausstoßes auf sich – Tendenz steigend.

DIE GRÖSSTEN BIER PRODUZIERENDEN LÄNDER 2017->DOWNLOAD-GRAPHIK

Die Weltbierproduktion belief sich zu Beginn des Jahrtausends auf ca. 1,4 Mrd. hl. Im Jahr 2017 betrug sie 1,952 Mrd. hl, ca. 40% mehr.

Aber die Verteilung hat sich deutlich verändert. Deutschland ist von Rang 3 auf Rang 5 der bierproduzierenden Länder zurückgefallen,  weil die eigene Bierproduktion rückläufig ist, vor allem aber, weil sie in anderen Ländern z.T. drastisch zugenommen hat. Im Jahr 2012 lag Deutschland schon einmal noch auf Platz 5 der „Weltrangliste“ und konnte sich zunächst einen Platz verbessern, weil die russische Bierproduktion seit 2007 einen drastischen Einbruch erlebte. Zwischenzeitlich ist das aufstrebende Bierland Mexiko an Deutschland vorbeigezogen.

Der deutsche Anteil an der Weltbierproduktion fiel von knapp 8% in 2000 auf knapp 4,8% in 2017 – allerdings zur Gewährleistung internationaler Vergleichbarkeit ohne alkoholfreies Bier..

Bei dieser Betrachtung darf allerdings nicht übersehen werden, dass Deutschland mit 82,7 Mio. Einwohnern gegenüber 1,379 Mrd. in China, 326,7 Mio. in den USA, 207,7 Mio. in Brasilien und 144,3 Mio. in Russland von den führenden Biernationen die mit Abstand geringste Bevölkerung aufweist, was die Rangfolge der „Biernationen“ durchaus relativiert: Gemessen am Pro-Kopf-Konsum liegt Deutschland deutlich vor diesen Ländern.

AUSSTOSSÄNDERUNG DER GRÖSSTEN BIERNATIONEN 2000-2017->DOWNLOAD GRAPHIK