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2. Die Konzentration

Nachfolgend wollen wir darstellen, wie weit die Konzentration im deutschen Braugewerbe fortgeschritten ist. Es geht nicht nur darum, auf wie viele Braustätten sich der Gesamtabsatz in Deutschland verteilt (sog. absolute Konzentration), sondern wie gleichmäßig (oder ungleichmäßig) diese Verteilung ist (relative Konzentration):
Je größer der Ausstoßanteil, der sich auf einen kleinen Teil der Braustätten verteilt, um so höher der „Konzentrationsgrad“.

Diese Zahlen stehen uns leider nur für die Bundesrepublik insgesamt zur Verfügung, da entsprechende Zahlen für Bayern allein leider nicht mehr erhoben werden.

Betriebsstättenstruktur der deutschen Brauwirtschaft

Der Strukturwandel innerhalb der deutschen Brauwirtschaft  ist weit gravierender, als die Entwicklung der bloßen Zahl der Braustätten ihn auszudrücken vermag.

So ist seit der Wiedervereinigung deutschlandweit die Zahl der Braustätten mit einem Ausstoß von bis zu 5.000 hl/a um 495 gestiegen – Folge der Gründungswelle von Gasthaus- und Kleinbrauereien.

72,1% aller deutschen Braustätten sind zwischenzeitlich dieser Größenklasse zuzuordnen. Sie ist gleichzeitig die einzige, die überhaupt einen zahlenmäßigen Zuwachs verzeichnet, während der traditionelle „Mittelbau“, die Braustätten mit einem Jahresausstoß von 5.000 – 200.000 hl, deutliche Bestandsminderungen erfahren hat.

Die 66 deutschen Braustätten (4,3% des Braustättenbestandes), die aufgrund ihrer Größe von der Biersteuermengenstaffel nicht profitieren, also einen Jahresausstoß von über 200.000 hl aufweisen, produzieren zwischenzeitlich ca.  83% des gesamten deutschen Bierausstoßes.

Betriebsstättenstruktur der deutschen Brauwirtschaft – Konzentration absolut – Vergleich 1993-2018
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Den Umstand, dass in Deutschland der Braustättenbestand insgesamt leicht steigt, verdankt die deutsche Brauwirtschaft also ausschließlich der Gründungswelle von zunächst  Gasthaus- und in den letzten Jahren verstärkt Klein- oder sog. „Craft“-Brauereien.

Alle anderen Betriebsgrößenklassen haben einen z.T. deutlichen Rückgang der betriebenen Braustätten zu verzeichnen.

Betriebsstättenstruktur der deutschen Brauwirtschaft 2018 – absolute Veränderung gegenüber 1993
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In wie starkem Maße der brauwirtschaftliche Mittelstand seit der deutschen Wiedervereinigung hat Federn lassen müssen, wird deutlich, wenn man sich nicht nur die absoluten, sondern die prozentualen Veränderungen vor Augen führt, die einzelne Betriebsgrößenklassen in den letzten 25 Jahren erfahren haben:

Zwischen knapp einem Viertel und gut zwei Dritteln ihrer 1993 betriebenen Braustätten haben die Größenklassen zwischen 5.000 und 500.000  Hektoliter Jahresausstoß seither verloren.

Betriebsstättenstruktur der deutschen Brauwirtschaft 2018 –
Relative Veränderung gegenüber 1993->Download-Graphik

Besonders deutlich wird der Strukturwandel sichtbar, wenn man auch die Gruppe der Brauereien mit weniger als 5.000 hl Jahresausstoß untergliedert, wie dies das Statistische Bundesamt seit 2005 tut.

Von diesen 1.110 Kleinbrauereien haben nämlich 853 einen Ausstoß von lediglich bis zu 1.000 hl jährlich.

55,4% aller deutschen Braustätten sind zwischenzeitlich dieser Größenklasse zuzuordnen. Und auch fast nur hier nimmt die Zahl der Braustätten zu – um 345 oder 68% in nur 13 Jahren.

Weitere 197 (12,8%) produzieren 1.000 bis 3.000 hl, 60 (3,9%) zwischen 3.000 und 5.000 hl pro Jahr.

Diese Betriebe mit einem Jahresausstoß bis zu 5.000 hl produzieren zusammen jedoch nicht einmal 1,0% des gesamten deutschen Bierausstoßes!

Betriebsstättenstruktur der deutschen Brauwirtschaft – Vergleich 2005-2018
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Das wahre Bild der Konzentration im deutschen Braugewerbe zeigt sich insofern dann, wenn man der Verteilung der Braustätten auf einzelne Größenklassen den Gesamtabsatz dieser Größenklassen gegenüberstellt:

Die Gruppe der kleinsten Brauereien (bis 1.000 hl Jahresausstoß) stellt zwar  über 55% aller Braustätten, produziert aber nur 0,26% des deutschen Bierausstoßes.

Nimmt man die Brauereien bis 5.000 hl Jahresausstoß zusammen, so stellen sie gut 72,0% aller deutschen Brauereien. Zusammen produzieren sie aber nur 0,91% des deutschen Bieres, während die 26 deutschen Braustätten, die jährlich mehr als 1 Mio. hl Bier ausstoßen, zwar nur 1,7% der Braustätten ausmachen, aber knapp 60,0% des Bieres erzeugen.

Dass zwischen einzelnen dieser Braustätten zudem auch noch Konzernverflechtungen bestehen, bleibt bei dieser Form der Darstellung unberücksichtigt.

Konzentration der Braustätten und des Absatzes auf einzelne Größenklassen 2018 ->Download Graphik

Zwar geht der Konzentrationsprozess im deutschen Braugewerbe auch an der bayerischen Brauwirtschaft nicht spurlos vorüber, dennoch ist er im Freistaat bei weitem nicht ganz so stark ausgeprägt. Dies sieht man, wenn man die Konzentration des Absatzes auf einzelne Betriebsgrößenklassen in Bayern einerseits und im Bund  unter Herausrechnung Bayerns andererseits gegenüberstellt:

Während deutschlandweit die Brauereien mit mehr als 500.000 hl Jahresausstoß (ohne Bayern) 81,65 % des Absatzes auf sich vereinen, sind es in Bayern „nur“ 57,02%.

Im Gegenzug ist der Anteil kleiner und mittelständischer Betriebe am Gesamtansatz in Bayern in allen anderen Größenklassen und zum Teil beträchtlich größer als im Bunde außerhalb der weißblauen Grenzen, in der Grafik zu erkennen an den im Vergleich zu den roten höheren blauen Säulen.

Absatzkonzentration Bund und Bayern 2018->Download