Gambrinus

Brauereien tragen seinen Namen, in Trinkliedern wird ein Hoch auf ihn angestimmt, Sagen ranken sich um ihn. Selbst die Deutsche Bahn AG benannte einst einen Intercity-Zug von Hamburg nach München nach ihm.

Im 16. Jahrhundert schon ging ein gewisser Burkart Waldis dieser Frage nach und verbreitete die Geschichte, Gambrinus habe die Braukunst direkt von der ägyptischen Sonnengöttin Isis gelernt. Doch allen historischen Bemühungen zum Trotz – eine abschließende Beurteilung der Figur des Gambrinus ist bis heute nicht möglich. Aus den vielen Thesen, wer sich hinter der Gestalt des Gambrinus, oft als Schutzheiliger der Bierbrauer bezeichnet, verbirgt, kristallisieren sich fünf heraus:

1. Bei Gambrinus soll es sich um einen Paladin, einen treuen Gefolgsmann Karls des Großen gehandelt haben. 

2. Man glaubt, in ihm Johann I., Jan Primus, Herzog von Brabant, wiederzuerkennen. Er soll ein gewaltiger Zecher vor dem Herrn gewesen sein, 94 Minnelieder komponiert und ebensoviele Kinder der Liebe gezeugt haben. Sein Name Jan Primus könnte zu Gambrinus verballhornt worden sein. 

3. Einem in Norddeutschland ansässigen Volk, den Gambriviern, wurde ein König Gambrivius angedichtet, aus dem durch einen Schreibfehler Gambrinus geworden ist. 

4. Das keltische Wort Camba, Braupfanne, führte zu der Bezeichnung Cambarius, der Brauer. Hieraus könnte der Name Gambrinus entstanden sein.

5. Ein Marburger Sprachforscher leitet Gambrinus über Ganbrinus ab aus der lateinischen Bezeichnung “gáneae birrinus” (der in einer Schenke Trinkende).

Alle Erklärungen scheinen plausibel, doch keine widerlegt die andere. So bedauerlich es ist: Selbst intensive Bemühungen haben in das Dunkel um die Gestalt des Gambrinus kein Licht bringen können. Die Brauwirtschaft muß damit leben, dass sie nicht weiß, ob ihr Schutzpatron eine Persönlichkeit der Geschichte oder ein bloßer Schreibfehler ist.